Das Beste oder nichts

Ich will endlich wieder ein deutsches Auto fahren. Das sage ich, wann immer es geht. Ich hatte ernsthafte Hoffnungen in den EQC – werde nun aber doch bei dieser einen Marke aus Kalifornien bleiben.

 

Was erwartet man von dem Mercedes unter den Elektroautos? Ich erwarte, dass sich Mercedes-Benz auch bei Elektroautos dem Motto „Das Beste oder nichts“ treu bleibt. Der neue EQC ist nicht „nichts“. Aber er ist auch sehr weit von „das Beste“ entfernt. Daimler betont, es gehe ihnen nicht darum, in einzelnen Teilgebieten Bestwerte zu erzielen, sondern das beste Gesamtpaket abzuliefern. Hält der EQC, was Daimler verspricht?

 

 

 

Das Positive zuerst: Mercedes Me und MBUX sind eine feine Sache. Von der Sprachsteuerung könnte sich Tesla eine Scheibe abschneiden. Ohne das Auto gesehen zu haben, bin ich mir bei einem Mercedes sicher, dass die Spaltmaße gleichmäßig sind und der Innenraum top verarbeitet ist.

 

Die Fertigung in Bremen ist zu begrüßen. Die Preisregion von 60.000 – 70.000 € Startpreis passt. Das war es leider schon mit den guten Punkten, jetzt zur Kritik:

 

 

 

AC-Ladeleistung:

 

Zweiphasig mit 7,4 kW. Macht bei einem 80 kWh Akku 11 Stunden Ladezeit. Bei einem Tesla mit 100 kWh Akku und 17 kW Ladegerät lädt man fünf Stunden und hat trotz der kürzeren Ladezeit mehr Reichweite. Den Tesla kann also ein Kunde vormittags leer zurückbringen und ich kann ihn nachmittags vollgeladen an den nächsten Kunden weitervermieten. Für den EQC müssten wir einen DC-Lader aufstellen oder regelmäßig zu einem fahren.

 

 

 

DC-Ladung:

 

110kW sind in Ordnung, aber nicht state-of-the-art. Wenn schon die Reichweite schlechter als beim Tesla ist, hätte man, vor allem mit dem Hintergrundgedanken des „besten Gesamtkonzepts“ doch zumindest die DC-Ladeleistung so hoch ansetzen können, dass man auf längeren Strecken dank kürzerer Ladezeiten unterm Strich schneller als mit einem Model S oder Model X ist. Ionity liefert doch bis 350 kW (wenn auch nur an einer Hand von Ladestationen, aber das sollen ja in den nächsten 1,5 Jahren noch 400 neue dazukommen).

 

Anmerkung: Offiziell angegeben sind 110kW (https://www.electrive.net/2018/09/04/mercedes-benz-eqc-feiert-premiere-in-stockholm/), es wurden aber Prototypen mit 132 kW gesichtet (https://mobile.twitter.com/EVNewsDaily/status/1036267559845339136). Ab 150 kW höre ich auf zu nörgeln ;-)

 

 

 

Verbrenner-Plattform:

 

Mitteltunnel? Kein Frunk? Och nö. Ich kann ja verstehen, dass man flexibel sein möchte, in dem man in der gleichen Plattform Verbrenner und E-Motoren verbaut. VW hat das mit dem Golf jahrelang gemacht und gibt dieses Konzept jetzt auf. Fast alle erfolgreichen Elektroautos sind von Grund auf als BEV designt – Umrüstungen wie die B-Klasse kommen nicht an die Verkaufszahlen eines i3 oder einer Zoe ran. Das sich Mercedes nicht mal für ein Model durchringen konnte, es konsequent nur als Elektroauto herauszubringen, ist schade.

 

 

 

Akku-Kapazität:

 

80 kWh sind ok. Aber eben nicht mehr. Bei Tesla gibt es verschiedene Akku-Größen – je nach den eigenen Reichweitenbedürfnissen kann man sich die passende Kapazität aussuchen. Warum geht das beim EQC nicht? Für Pendler reicht ein 50- 60 kWh Akku, für die Langstrecke hätten es ruhig 100 kWh sein dürfen. Warum müssen jetzt alle mit mittelmäßigen 80 kWh herumfahren?

 

 

 

Höchstgeschwindigkeit:

 

Der EQC fährt maximal 180 km/h. Reicht in 90% der Fälle aus. Trotzdem gibt es Situationen, in denen man auch mal schneller fahren will – z.B. Mercedes-Fahrer im Außendienst. Ich fahre auf Strecken mit Ladestopps selten mehr als 170 km/h, aber wenn ich von Stuttgart nach München fahre, klebt das Pedal vom Flughafen Stuttgart bis zum Münchner Ring am Bodenblech. Zwingend notwendig? Nein. Gefährlich? Ja klar. Aber ich spare fast 45 Minuten. Mit dem EQC kann ich dann vielleicht noch 20 Minuten sparen. Das ist auch wieder „ok“, aber nicht „das Beste“.

 

 

 

 

 

Der EQC ist in entscheidenden Teildisziplinen schlechter als Tesla. Wie daraus das beste Gesamtpaket werden soll, erschließt sich mir nicht. Nachdem ich mit den Sindelfingern wieder hart ins Gericht gegangen bin, möchte ich positiv schließen: Ich will immer noch endlich wieder ein deutsches Auto. Mit perfekten Spaltmaßen, Weltklasse Verarbeitung UND herausragenden Werten beim E-Antrieb. Wenn eine Marke das Zeug dazu hat, dann Mercedes-Benz. Ihr könnt das, wenn Ihr wollt. Macht es bitte. Zügig.

 

Einen EQC wird es in der Flotte von EAV Stuttgart nicht geben, aber die nächsten Modelle der EQ-Reihe behalte ich im Auge.

 

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